Online-Videos und die Werbung davor

Gepostet am 13. April 2015

Werbung muss sein, das weiß ich auch. Doch leider wird für mich gerade vor Videos im redaktionellen Umfeld platzierte Werbung immer öfter zum Hassobjekt. Zwei Beispiele:
1.  SpiegelOnline berichtet in einer spannenden Multimedia-Reportage von der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Kollegin Sandra Sperber produziert kurze Videos, die den Text ergänzen. Das ist die ideale Kombination aus Print und Video. Allerdings unterscheidet der SpOn-Player nicht zwischen allein stehenden Videos und Kombinationen aus Text und Video. In der Folge fangen auch die kurzen Videostücke mit lästiger Werbung an.

2. Noch deutlicher wird die Werbekeule bei kurzen Videos, die SpOn aus dem Netz zieht und auf der eigenen Seite einbindet. In der Rubrik „Kurioses“ gibt es einen Mann, der mit seinem Buggy die Hecke entfernen will. 20 Sekunden dauert das Video. Je nach Auswahl kann die Werbung deutlich länger dauern.

Diese Liste der Beispiel  ließe sich endlos fortsetzen, vor allem auch auf den Websites der Tageszeitungen, die meist mit dem Brightcove-Player arbeiten. Die Folge: Die Verknüpfung von Text und Video ist nicht zufriedenstellend machbar, weil die vorgeschaltete Videowerbung es verhindert. Dabei gibt es Untersuchungen zur Wirksamkeit und den Folgen dieser Art von Werbung. Adroit Digital kam 2014 in einer Studie zu diesem Ergebnis:

Die optimale Länge für eine Werbung vor einem Video

Max. 15 Sekunden sollte eine vorgeschaltete Werbung also nur dauern. Weiter heißt es dort, dass 56% der Befragten grundsätzlich wegklicken, wenn eine Werbung beginnt. Nur 20% geben an, dass sie die Werbung anschauen.

Wie viele klicken weg?

Diese Erhebung ist nicht die einzige auf dem Markt. Auch in Deutschland gibt es dazu seit vielen Jahren Daten. Fittkau&Maas fanden bereits 2008 in ihrer W3B-Studie heraus, dass „Werbespots bis 15 Sekunden“ Zustimmung finden. Die Werbewirtschaft scheint diese Erkenntnisse jedoch in den Wind zu schlagen. Doppelt so lange Werbung ist Alltag im Netz. Die Konsequenz ist dramatisch: Weder die Werbung, noch das eigentlich gesuchte (journalistische) Video wird am Ende konsumiert. Übrig bleiben nur Frustrierte, denn weder Werber, noch Journalist noch Konsument haben ihr Ziel erreicht.

 

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